Der in Jena geborene Johann Gregorius Höroldt (1696–1775) kam im April 1720 zusammen mit Samuel Stötzel (1685–1735), einem früheren Mitarbeiter des berühmten Porzellanerfinders Johann Friedrich Böttger, von Wien nach Meißen.
Höroldt entwickelte hier nicht nur eine breite Palette von Aufglasurfarben. Er besaß auch die Fähigkeit, diese in faszinierende Dekore zu verwandeln. Auf ihn geht der heutige Meissener Dekorationsstil in seiner ganzen Vielfalt und Pracht zurück. Er gilt als der Vater der Europäischen Porzellanmalerei.
chinoiserie auf goldpodest
Mit einem eindrucksvollen Beispiel einer Chinoiserien-Malerei im Stile Höroldts warteten Landschafts- und Figurmaler der Meissener Manufaktur 1999 auf. Weinkrug und Becher wurden phantasiereich mit sepiafarbenen Figuren bemalt, die auf Goldpodesten plaziert sind. Manche Anregungen dafür fanden die Maler in einigen der 125 überlieferten Blätter des sogenannten Schulz-Codes, einer Sammlung von Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Chinesen aus der Zeit Höroldts. Sie wurden von ihm und seinen Mitarbeitern im Original mit sepiafarbener Dornentinte auf gelbbräunliches Büttenpapier gebannt. Die Kollektion erhielt ihren Namen nach einem Sammler, der sie zusammentrug. Einen nicht unbeträchtlichen Charme beziehen die Darstellungen aus der Tatsache, daß sie aus der Perspektive von Mitteleuropäern des 18. Jahrhunderts geschaffen wurden, die nie das Reich der Mitte gesehen hatten.
